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Gefühle bei Kindern erkennen und benennen – so helft ihr eurem Kind, sich selbst zu verstehen

Dein Kind kommt weinend aus der Schule. Oder es schmettert die Tür zu, ohne ein Wort zu sagen. Oder es sitzt einfach da, still und in sich gekehrt – und du weißt nicht, was gerade in ihm vorgeht.

Das kennen wohl die meisten Eltern. Und oft stehen wir ratlos daneben, weil unsere Kinder selbst nicht wissen, was sie gerade fühlen – geschweige denn, wie sie es in Worte fassen sollen.

Dabei ist genau das – Gefühle bei Kindern erkennen, benennen und verstehen – eine der wichtigsten Fähigkeiten, die sie überhaupt entwickeln können. Nicht nur die eigenen Gefühle, auch die der anderen.

In diesem Artikel zeige ich euch, warum das so wichtig ist, was Kinder im Grundschulalter wirklich brauchen – und wie ihr als Eltern ganz konkret helfen könnt.

Warum Kinder ihre Gefühle oft nicht benennen können

Kinder fühlen genauso intensiv wie Erwachsene – manchmal sogar intensiver. Aber ihr Gehirn ist noch im Aufbau. Der präfrontale Kortex, der für Selbstregulation und emotionale Verarbeitung zuständig ist, entwickelt sich bis ins frühe Erwachsenenalter.

Was das bedeutet? Kinder können starke Gefühle erleben, aber sie haben noch nicht die Werkzeuge, um diese einzuordnen oder zu steuern. Sie wissen oft nicht, was gerade mit ihnen passiert – und das macht sie hilflos und manchmal auch wütend.

Hinzu kommt: Viele Kinder haben schlicht keinen Wortschatz für Gefühle. Sie kennen „traurig“ und „glücklich“ – aber was ist mit Enttäuschung, Überforderung, Neid, Scham oder Sehnsucht? Das sind Nuancen, die Kinder erst lernen müssen.

Was passiert, wenn Kinder ihre Gefühle nicht ausdrücken können

Wenn Gefühle keinen Ausdruck finden, suchen sie sich einen anderen Weg. Bei manchen Kindern äußert sich das in Wutausbrüchen, bei anderen in Rückzug, bei wieder anderen in körperlichen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Kopfweh vor der Schule.

Kinder, die früh lernen, ihre Gefühle zu benennen, sind nachweislich widerstandsfähiger, empathischer und haben es leichter in Freundschaften und in der Schule. Das zeigt die Forschung rund um emotionale Intelligenz – und das deckt sich mit dem, was viele Eltern und Pädagogen täglich erleben.

Gefühle bei Kindern erkennen: 5 konkrete Wege, wie ihr helft

1. Den Gefühls-Wortschatz gemeinsam erweitern

Fangt im Alltag an, über Gefühle zu sprechen – nicht nur wenn etwas schiefläuft, sondern auch in ruhigen Momenten. „Wie war das heute, als du beim Fußball das Tor gemacht hast? Stolz? Aufgeregt? Erleichtert?“

Hilfreich sind auch Gefühlskarten oder ein „Gefühlsrad“ – eine bunte Übersicht mit vielen verschiedenen Emotionen. Hängt es in der Küche auf oder legt es auf den Esstisch. So wird Gefühlsbenennung zur Gewohnheit, nicht zur Therapiestunde.

2. Eigene Gefühle als Elternteil benennen

Kinder lernen durch Beobachtung. Wenn ihr sagt: „Ich bin gerade etwas gereizt, weil ich einen stressigen Tag hatte – das hat nichts mit dir zu tun“, dann zeigt ihr eurem Kind ganz konkret, wie das geht.

Das braucht Mut – denn viele von uns wurden selbst nicht so sozialisiert. Aber ihr setzt damit ein unglaublich starkes Vorbild. Euer Kind lernt: Gefühle darf man haben und aussprechen. Das ist keine Schwäche.

3. Gefühle spiegeln, ohne zu bewerten

Wenn euer Kind aufgebracht nach Hause kommt, ist der erste Impuls oft: erklären, beruhigen, lösen. Aber manchmal braucht es das gar nicht. Was es braucht, ist das Gefühl: „Ich werde gesehen.“

Versucht statt „Ist doch nicht so schlimm“ lieber: „Das klingt wirklich frustrierend. Erzähl mir mehr davon.“ Ihr müsst das Gefühl nicht wegreden – ihr dürft es einfach stehen lassen. Das allein gibt Kindern enormen Halt.

4. Bücher und Geschichten nutzen

Figuren in Büchern oder Filmen sind wunderbare Gesprächsöffner. „Wie denkst du, hat sich Emma gefühlt, als Max ihr Geheimnis verraten hat?“ Kinder können über Figuren oft viel offener reden als über sich selbst – und trotzdem verarbeiten sie dabei ihre eigenen Erfahrungen.

Besonders Kinderbücher, die sich explizit mit Gefühlen beschäftigen, sind Gold wert. Sie geben Kindern Sprache und zeigen, dass es normal ist, auch schwierige Emotionen zu haben.

5. Das „Wetterfühlen“ als Abendritual

Eine wunderbar einfache Übung für den Abend: Fragt euer Kind, welches Wetter gerade in seinem Bauch herrscht. Sonnenschein? Gewitter? Ein kleines Wölkchen mit Regen?

Kinder lieben dieses Bild – es ist spielerisch, niedrigschwellig und trotzdem tiefgründig. Und es öffnet Türen zu Gesprächen, die man mit einer direkten Frage nie bekommen hätte. Macht es zum festen Ritual, zum Beispiel beim Zähneputzen oder beim Einschlafen.

Was ihr dabei beachten solltet

Ein wichtiger Hinweis: Ziel ist nicht, dass Kinder immer sofort wissen, was sie fühlen. Auch Erwachsene tun sich damit schwer. Es geht darum, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem Gefühle willkommen sind – ohne Druck, ohne Bewertung.

Und: Nicht jedes Kind öffnet sich gleich. Manche Kinder brauchen Zeit, manche brauchen Bewegung (beim Spazierengehen reden viele Kinder viel leichter als beim Sitzen), und manche kommunizieren lieber über Malen oder Spielen als über Worte.

Beobachtet euer Kind. Und folgt seinem Rhythmus.

Emotionale Kompetenz als Geschenk fürs Leben

Kinder, die ihre Gefühle kennen und benennen können, gehen selbstbewusster durchs Leben. Sie können besser Konflikte lösen, haben tiefere Freundschaften und finden leichter wieder zur Ruhe, wenn es turbulent wird.

Das Beste daran: Ihr müsst dafür keine Therapeuten sein. Ihr müsst nur präsent sein, zuhören – und ab und zu fragen: „Welches Wetter hast du gerade in deinem Bauch?“

Gefühle gemeinsam entdecken – mit Emma und Max

Besonders schön gelingt das beim gemeinsamen Lesen. In Emma & Max im Wald der achtsamen Tiere begegnen die Zwillinge 40 Tieren, die ihnen helfen, Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und zur Ruhe zu kommen – eingebettet in Geschichten, die ihr zusammen lest, erlebt und fühlt.

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Tipp zum Weiterlesen: Wie ihr mit Übungen zur Ruhe beitragt, lest ihr in unserem Beitrag 5 einfache Achtsamkeitsübungen für Kinder – denn Achtsamkeit und Gefühlsarbeit gehen Hand in Hand.